Hohlandsberg

Geschichte

Der an der Gebirgsgrenze zwischen Elsass und Lothringen gelegene natürliche Aussichtsgipfel, auf dem die Burg errichtet wurde, gilt schon seit der Bronzezeit (ca. 1300 bis 750 v. Chr.) als strategischer Standpunkt.

Die Burg Hohlandsberg, deren Bau im Jahr 1279 von dem Colmarer Schultheißen Siegfried Gundolsheim auf Wunsch der Habsburger begonnen wurde, sollte über die Reichsstadt und die Westgrenzen des ehemaligen Vorderösterreichs wachen. Nachdem die Burg im Jahr 1281 durch eine Bürgeraufstand der Colmarer Bevölkerung in Brand gesetzt wurde, ging sie in den Besitz der Habsburger über.

Die Burg, die sowohl einer Garnison als auch dem Verwaltungssitz der Vogtei Hohlandsbourg Unterkunft bot, ging im 15. Jahrhundert als Lehnsgut in den Besitz des Grafen von Lupfen, eines Vasallen des Oberherrn, über. Nachdem die Burg schrittweise ausgebaut und zunehmend befestigt wurde, wurde sie Ende des 16. Jahrhunderts an einen Kriegsherrn und kaiserlichen Berater der Habsburger verkauft: Lazarus von Schwendi. Dieser modernisierte die Burg, indem er ihr Verteidigungssystem mit Artillerie ausstattete.

Im Jahr 1637, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde die von der französischen Garnison eingenommene Burg auf Befehl von Richelieu zerstört, um den Österreichern nicht mehr als Bastei dienen zu können. Die Überreste wurden 1698 auf Anordnung von Ludwig XIV. an die Stadt Colmar abgetreten. Die im Jahr 1840 unter Denkmalschutz gestellte Burg wurde 1985 nach umfangreichen Bauarbeiten unter Aufsicht des Generalrats des Departements Haut-Rhin, des elsässischen Regionalrats sowie der Regionaldirektion für Kulturangelegenheiten restauriert.

Architektur

Diese ab dem 13. Jh. erbaute und bis ins 17. Jh. modernisierte Befestigungsanlage diente sowohl als Garnisonsburg als auch als Festung für die Familie Habsburg.

Um Angriffen widerstehen zu können, wurde die Burg von dem restlichen Granitfelsplateau mithilfe von zwei tiefen Gräben an West- und Ostseite abgeschottet, während die Nord- und Südseite aufgrund der natürlichen starken Hangneigung geschützt waren. Der Zugang erfolgte über eine ehemalige, das Bollwerk durchquerende Zugbrücke. Auf der rechten Seite der Burg werden zwei von einem Tonnengewölbe überdachte Kasematten von einer mit Schießscharten ausgestatteten Artillerieplattform überragt.

Massive Mauern mit einer Höhe von 12 bis 15 Metern umgeben einen weitläufigen, 100x60 Meter großen Hof, der im Norden von der Oberburg dominiert und im 13. Jh. das Herzstück der ursprünglichen Anlage war. Ein viereckiger Turm sowie eine Fausse-Braie (kleiner Vorwall) wurden im 15. Jh. durch den Grafen von Lupfen hinzugefügt.

Das Bauwerk wurde im Jahr 1985 unter Aufsicht des Colmarer Architektenbüros Crupi Architectes sowie der Agentur Bach Nguyen restauriert, wobei die zugrunde liegende architektonische Lösung neben dem Anspruch, den Bau zu erhalten, darin bestand, technische Neuerungen mit einer zeitgenössischen Vorgehensweise durch eine puristische Umsetzung der Leitlinien zu verbinden.

Legende

Die fluchbeladene Jagd von Hohlandsberg

Vor langer Zeit lebte ein junger Schlossherr namens Rudolf von Hohlandsberg. Er hegte für die Jagd eine alles verzehrende Leidenschaft, über die er sogar seine Verpflichtungen vergaß.

An einem Sonntag, dem Tag des Herrn, an dem Jagen verboten war, organisierte Rudolf, schlitzohrig wie er war, einen Jagdausflug, bei dem er einen Hirsch durch den Wald jagte und dabei die umliegenden Felder armer Bauern verwüstete und Schafe und anderes Vieh tötete. Rudolf, dessen Jagdkameraden sich einer nach dem anderen von dem Ausflug verabschiedeten, wollte sich nicht geschlagen geben: er tobte vor Wut...

Er beschloss, weiter zu jagen, und tötete dabei seinen letzten Jagdkameraden, ein jungen ihm wohlgesinnten Gutsherrn. Da hallte plötzlich eine dunkle Stimme durch den Wald: „Rudolph, du sollst verflucht sein bis in alle Ewigkeit.“ Daraufhin tat sich der Boden unter seinen Füßen auf und Rudolf von Hohlandsberg verschwand, tot und auf ewig verflucht, in einem Abgrund. Seitdem wird der Wald auch der „Mörderwald“ genannt und gilt als verfluchter Ort, in dem geplagte Geister und übernatürliche Kräfte gefangen sind...

So wird die Burg heute genutzt...

Die Burg Hohlandsberg bietet die Möglichkeit, den Ort auf spielerische und interaktive Art und Weise zu erkunden:

  • Ein interaktiver, mit Dekorationseffekten in Szene gesetzter Rundgang, der es dem Besucher erlaubt, die Geschichte des Ortes beginnend bei den Anfängen in der Bronzezeit bis hin zur Gegenwart zu entdecken.
  • Besichtigungen mit oder ohne Führung, für behinderte Personen, für Gruppen, für Schulklassen und außerschulische Vereine.
  • Ein Logbuch für junge Entdecker zwischen 7 und 12 Jahren.
  • Veranstaltung von Kindergeburtstagen für 4- bis 12-Jährige.

Zusätzlich zur Besichtigung des Ortes als Kulturstätte werden von Mai bis Oktober kulturelle Veranstaltungen rund um ein jährlich wechselndes Thema angeboten. Dieses Thema kann übergreifende Gesichtspunkte des mittelalterlichen Abendlandes, geografische oder zeitliche Thematiken oder die Geschichte der Burg erörtern.

Für vertiefende Einblicke

Literaturhinweise auf in der Bibliothek des Departements Bas-Rhin erhältliche Werke:

  • Découvrir et comprendre le château du Hohlandsbourg / Jean-Luc Eichenlaub.- Bernardswiller (Bas-Rhin), Verlag I.D. L'Édition (Guide Images & Découverte), 2018
  • Le château de Hohlandsbourg [gedruckter Text], / Christian Wilsdorf, Paul Eschbach.-Verlag Coprur, 2008
  • Sur la route des cinq châteaux [gedruckter Text]: Haut-Eguisheim, Weckmund, Wahlenburg, Dagsburg, Hohlandsbourg, Pflixburg, Hageneck und Pfalz d'Eguisheim; / Guy Trendel von Christophe Carmona, Verlag Pierron, 2002

Literaturhinweise auf in der Burg Hohlandsberg verfügbare Werke:

  • Landisperch castrum sculteti columbarium. Le noyau originel du château du Hohlandsbourg (1279-1281) in Châteaux forts d’Alsace / Jacky Koch, Histoire-Archéologie-Architecture, Veröffentlichung des Forschungszentrums für mittelalterliche Archäologie von Zabern, 2017
  • „Schwendi (Lazarus von)“ im Neuen Wörterbuch der elsässischen Biographie / Georges Bischoff
  • L’art de bâtir dans les châteaux forts en Alsace (Xe-XIIIe siècle) / Jacky Koch. PUN, Hochschulverlag Éditions Universitaires de Lorraine, 2015, S. 455-467
  • L’approvisionnement en eau des châteaux forts de montagne alsaciens, / René Kill. Veröffentlichung des Forschungszentrums für mittelalterliche Archäologie von Zabern (CRAMS), 2012
  • Le château de Hohlandsbourg [gedruckter Text] / Christian Wilsdorf, Paul Eschbach.- Verlag Coprur, 2008
  • Le château de Hohlandsbourg / Jean-Luc Eichenlaub Verlag Archive des Departements Haut-Rhin, 2007
  • Le château de Hohlandsbourg près de Colmar / Gilbert-Charles Meyer, Christian Wilsdorf. Verlag Art + Architecture, 1996
  • La clef des châteaux forts d’Alsace / Charles-Laurent Salch, 1995
  • Die Burgen des Elsass / Thomas Biller, Bernard Metz. III: 1250-1300, S. 155-162, 1995
  • „Landsberg (Haut)“ im Nouveau dictionnaire des châteaux de l’Alsace médiévale, / Charles-Laurent Salch, 185-187, 1991
  • Esquisse de l’histoire du château de Hohlandsberg,  / Christian Wilsdorf. Kantonsblatt Wintzenheim, Nr. 9 59-62, 1998
  • La station d'altitude du Hohlandsberg / Charles Bonnet, Suzanne Plouin-Mantzer, Revue d'Alsace, S. 9-20, 1982
  • La route des cinq châteaux / François Denni, 1979
  • Châteaux et guerriers de l’Alsace médiévale / Pierre Schmitt, Robert Will, Jean Wirth, Charles-Laurent Salch, 1975

Informationen zur Vorbereitung Ihres Besuchs im elsässischen Burgenland:

68920 Wintzenheim, Château du Hohlandsbourg

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